Sie sind hier: Startseite > Auen
Auen II
Renaturierungsplanung zur Verbesserung der ökologischen Struktur und Funktionsfähigkeit des Wohra-Unterlaufs bei Kirchhain (Landkreis Marburg-Biedenkopf) (Ulrike Schildbach)
Im Zuge des Ausbaus der Ohm mit der Anlage eines Hochwasser-Rückhaltebeckens bei Kirchhain wurde auch die Wohra auf einer Länge von 17 km begradigt und ausgebaut. Um den durch verstärkte Erosion anfallenden Sand aus dem Einzusggebiet aufzufangen, wurde 1959 der Wohra-Sandfang bei Kirchhain angelegt. Die Unterhaltung dieses Sandfangs ist sehr kostenaufwendig, weshalb nach günstigeren und naturnäheren Alternativen gesucht wird.
In der Diplomarbeit werden Maßnahmenvorschläge für eine Renaturierungsplanung bzw. Revitalisierung mit dem Schwerpunkt Verbesserung des Strukturzustandes, insbesondere der ökologischen Durchgängigkeit des Wohra-Abschnitts gemacht. Als Teilziele werden die Wiederherstellung der funktionalen Verbindung zwischen Fließgewässer und Aue und damit die Verbesserung der Hochwasserretention, Erhalt des Wohra-Sandfangs als Lebensraum (besonders für Fische und Schwimmvögel) und Erreichen eines Restabflusses von mindestens 100 l/s für die Wohra-Flutmulde verfolgt. Es wird auch die Übertragbarkeit der Maßnahmen auf ähnliche Fließgewässerabschnitte überprüft.
Erfolgskontrolle eines Renaturierungsprojekts mittels faunistischer Methoden an einem Mittelgebirgsbach (Andrea Adler)
Für die Losse, einem hessischen Mittelgebirgsbach, wurde Anfang der 90er Jahre ein Renaturierungsprojekt in Auftrag gegeben. Ziel des Projektes war die Schaffung einer linearen Durchgängigkeit, die aufgrund von 48 Querbauwerken auf 28 km Lauflänge nicht mehr gegeben war. 1998 erfolgte der Bau eines Umgehungsgerinnes um eine Wehranlage.
Ziel der Arbeit von Andrea Adler war, die Funktionsfähigkeit der neuen Anlage zu überprüfen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Umgehungsgerinne sowohl von Bachforellen als auch Mühlkoppen durchschwommen und als zusätzliche Lebensraum angenommen wurde. Bereits 3 Monate nach Inbetriebnahme war das komplette Umgehungsgerinne auch von Makrozoobenthos besiedelt. 84 % aller Organismen sind dabei aktiv durch Einwanderung in den renaturierten Bereich gelangt.
Das angestrebte Ziel der Renaturierungsmaßnahmen, die Losse in diesem Bereich für aquatische Wirbellose und Fische wieder durchgängig zu machen, scheint nach dem jetzigen Stand der Erkenntnisse erreicht worden zu sein
Kulturlandschaftswandel im Spessart unter besonderer Berücksichtigung der Wässerwiesen mit Erstellung einer Leitbildkonzeption für deren weitere Entwicklung (Monika Hahn)
Die für den Spessart so charakteristischen Wässerwiesenkulturen, wie sie auch heute noch in Relikten das Landschafstbild prägen, reichen nicht bis in die Anfänge der Siedlungsgründungen zurück sondern sind in dieser ausgeprägten Form erst im Laufe des 19. Jahrhunderts geschaffen worden. Wie aus Gemeindeweistümern der Frühneuzeit und Forstordnungen zu entnehmen ist, gab es allerdings auch schon in sehr viel früherer Zeit Wiesenbewässerung im Spessart. Sie ist in Form der 'wilden Bewässerung' beschrieben und im Jahre 1852 von einem neuen Wasserbenutzungsgesetz abgelöst und neu strukturiert worden.
Ab ca. 1860 erfolgte nach einer Tagung in Aschaffenburg, deren Ziel die Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Spessart war, ein systematischer Rückenwiesenbau in allen Haupttälern. Die Bewässerungswiesen waren vor allem im Buntsandsteinspessart weit verbreitet. Man geht davon aus, dass der Anteil der bewässerten Wiesen an der Gesamtfläche der Talwiesen zur Zeit der maximalen Ausdehnung der Wässerungsanlagen sich auf etwa 80 % des Wiesengrundes belief. In einzelnen Tälern, wie z.B. im Aura- und Fellatal waren dagegen sämtliche Talwiesen in das Bewässerungssystem einbezogen.
Die Rückenwiesen forderten zusätzlich zu den Arbeitsspitzen bei den wiederholten Schnitten und der Heu- bzw. Grummetabfuhr, ständige sorgfältige Unterhaltungsarbeiten. Eine straff organisierte und funktionierende Gemeinschaftsarbeit war dazu Voraussetzung gewesen. Seit den 30er Jahren wurden die aufwendigen und kostspieligen Wiesenkomplexe mehr und mehr vernachlässigt. Lediglich im Jossgrund, in dem die Landwirt-schaft eine bedeutendere Rolle einnahm, blieben weite Flächen der Wiesenbewässerung bis zum Einsetzen der drastisch strukturverändernden Maßnahmen der Flurbereinigung erhalten.
Die Bewässerungssysteme stellen mit ihren stark verzweigten Be- und Entwässerungsgräben einen bedeutenden Biotoptyp dar. Zahlreiche Pflanzenarten, wie z.B. die subatlantisch-submediterrane Schachblume oder der präalpine Märzenbecher fanden durch die Wiesenbewässerung genauso einen geeigneten Lebensraum wie zahlreiche Amphibienarten. Die Gräben selbst besaßen aufgrund der periodischen Wasserführung eine angepasste Fauna und Flora, obwohl aufgrund des in den Talgrünen meist hoch anstehenden Grundwassers von einer fast ganzjährigen Durchfeuchtung auszugehen ist.
Bewertung der ökologischen Funktionen der Auenböden im Einzugsgebiet der Nidda / Hessen (Ilka Bertges)
Die Frage der Bodenbewertung erfolgte in Deutschland bisher vor allem unter dem Gesichtspunkt der Produktivität bzw. dem fiskalischen Wert einer Bodenfläche. Die Umsetzung des Bodenschutzgesetzes stößt u.a. bei der Bewertung der ökologischen Funktionen des Pedons häufig an ihre Grenzen. So ist es nicht verwunderlich, daß auch im inzwischen vorliegenden Enbtwicklungskonzept Naturnahe Nidda eine ausreichende Bewertung der Bodengesellschaft der Auen nicht durchgeführt wurde, denn die semiterrestrischen Böden sind bei Verfahren zur Bodenbewertung aufgrund des komplexen Wasserhaushaltes und Chemismus bisher weitestgehend ausgespart worden.
Ziel der Arbeit war es, die für das Ökosystem Aue so bedeutenden ökologischen Funktionen der Auenböden als Puffer gegenüber Schwermetallen und als Pflanzenstandort im Einzugsgebiet der Nidda zu bewerten. Die Bedeutung dieser beiden Bodenfunktionen ergibt sich aus den heutigen Einflüssen und Belastungen, die auf das Ökosystem Aue und dessen Subsystem Boden wirken. Auf der Grundlage von entnommenen Bodenproben erfolgte die Bewertung der Pufferfunktion (also ihrer relativen Bindungsstärke für Schwermetalle) und der Funktion als Pflanzenstandort (also des Gehalts an den Nährstoffionen Magnesium, Calcium, Kalium und Natrium) mit Hilfe eine GIS-gestützten Verfahrens. Diese Methode kann als erste Grundlage für ein Auenbodeninformationsystem angesehen werden, das noch um zusätzliche Bodenparameter erweiterbar und auf andere Räume anwendbar ist.
Erfassung, Abgrenzung und Klassifizierung von Überflutungsräumen am Beispiel ausgesuchter Gewässer im Bundesland Hessen (Christian Brenk)
Die Überflutungsräume der Fließgewässer, die im allgemeinen Sprach-gebrauch undifferenziert als Auen bezeichnet werden, sind fester Be-standteil des Fließgewässersystems. Diese Räume werden geprägt durch periodische Überflutungsphasen, wodurch sie zu ganz eigenständigen Standorten und damit Lebensräumen für eine diese Bedingungen angepaßte Tier- und Pflanzenwelt werden. Aber auch die natürliche Hochwasserrückhaltung bzw. -abschwächung ist eine wichtige Funktion der intakten Überflutungsräume. Diese Räume gilt es zu schützen oder zu reaktivieren wo immer dies möglich ist.
Derzeit werden in Deutschland zwar verschiedene Ansätze der Strukturgütebewertung und Typisierung von Fließgewässern erarbeitet und diskutiert, die Auen spielen dabei jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Zwischenzeitlich existiert eine unüberschaubare Anzahl von Arbeiten über Auen und ihre generelle Bedeutung. Bisher gibt es jedoch nur Ansätze, Auen hinsichtlich ihrer morphologischen und hydrologischen Eigenschaften näher zu charakterisieren und gegeneinander abzugrenzen.
Ziel der Arbeit war es, ein Typisierungsschema für die Überflutungsräume in Hessen zu erarbeiten. Neben der flächenmäßigen Erfassung war daher eine weitergehende Differenzierung der Überflutungsstandorte, die auch auf andere Bundesländer übertragen werden könnte, Ziel der Arbeit.
Einsatzmöglichkeiten historischer und bodenkundlicher Daten für die Fließgewässer-Renaturierungsplanung, dargestellt am Beispiel des Kinzig-Einzugsgebietes (Ralph Fischer)
In der Arbeit von Ralph Fischer geht es um die Darstellung der Veränderungen in hessischen Mittelgebirgsauen seit dem 18. Jahrhundert anhand der Auswertung historischer Daten. Schwerpunkt lag dabei auf der Erfassung von Sedimentationsprozessen, da diese maßgeblich die Dynamik von Auenlandschaften bestimmen. Gerade bei Renaturierungsmaßnahmen, die Laufverlagerungen einschließen, kommt der Erfassung des ehemaligen Fließgewässerbettes eine hohe Bedeutung zu, da hier standörtliche Bedingungen durch die jahrhundertealten Sedimentationsprozesse eine schnellere Stabilisierung des neuen Gewässerverlaufs erwarten lassen. Historische Quellen in schriftlicher Form können bei der Rekonstruktion nur bedingt helfen, da sie wegen ihres ausschmückenden Charakters i.d.R. einen schwankenden Realitätsbezug haben. Ein hohes Maß an Information bieten hingegen historische Kartenwerke. Diese Karten eignen sich je nach Maßstab gut, den Wandel der Gewässerlandschaft nachzuzeichnen. Es lassen sich recht schnell Bereiche mit einer kritischen Entwicklung herausstellen. Aussagen zur prinzipiellen Entwicklung der Gewässerstruktur sind möglich. Allerdings klären die Karten nicht über den Wandel von Kleinstrukturen und über kurzfristige Entwicklungstendenzen auf, z.B. Tiefenerosion. Die Tiefenerosion der Kinzig konnte im Rahmen der Bodenuntersuchungen anhand des Vergleichs der Höhenunterschiede von Sohlenlage Kinzig zu Sohlenlage Altarm im Untersuchungsgebiet andeutungsweise nachgezeichnet werden. Das Sediment, das in den Altarmen abgelagert worden war, zeigte erfreulicherweise nur eine geringe Schwermetallbelastung, trotz stärkerer Schwankungen im Bereich von Direkteinleitungen. Im Rahmen der Arbeit konnte durch den Rückgriff auf alte und aktuelle Telefonbücher eine Ermittlung möglicher Emissionsquellen erreicht werden und so für das gesamte Einzugsgebiet die industrielle Entwicklung auf Gemeindeniveau qualitativ im zeitlichen Wandel nachgezeichnet werden.
GIS-gestützte Standortanalyse zur Wiederbewaldung der Kinzigaue / Hessen (Michael Volmar)
Bei Diskussionen um die Renaturierung von Fließgewässern kommt der natürlichen Vegetation, dem Auwald, eine besondere Bedeutung zu. Es entstehen jedoch immer wieder Forderungen nach Auwaldneuanlagen, ohne die standörtlichen Gegebenheiten und die Ansprüche des Auwaldes zu berücksichtigen. In der Arbeit wurde mit Hilfe von Grundwasserpegel-Daten und dem Einsatz eines EDV-gestützten geographischen Informationssystems eine Methodik erarbeitet, mit deren Hilfe Rahmenbedingungen für potentielle Auwaldstandorte in hessischen Mittelgebirgsauen erarbeitet werden können.
Zur Standortanalyse wurden parallel zwei unterschiedliche Vorgehensweisen angewendet:Standortkartierung der Böden und der aktuellen Vegetation unter Verwendung eines Geographischen Informationssystemsdirekte Erhebung der wichtigsten Standortfaktoren bzw. deren räumliche VerteilungÜber eine Kombination der Ergebnisse beider Ansätze wurde für die verschiedenen Waldgesellschaften die generelle Verbreitung ihrer potentiellen Standorte ermittelt. Für den im Untersuchungsgebiet vollständig fehlenden Hartholzauenwald wurde abschließend mit Hilfe des GIS eine Karte der zur Wiederbewaldung geeigneten Flächen generiert. Diese nehmen rund ein Drittel der Gesamtfläche ein. Hiervon wurden, basierend auf dem Grad der Schutzwürdigkeit der jeweiligen aktuellen Vegetation, Bereiche ausgeschieden, die für eine Wiederbewaldung bevorzugt herangezogen werden sollten.